EIN MÄDCHEN DIESER ERDE
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EIN MÄDCHEN DIESER ERDE

Die Geschichte, das Glück und das Unglück, die Freude und das Elend des Kindes im Film
 
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 LIW - Mit Arsen und Cowboyhut

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Roberta

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BeitragThema: LIW - Mit Arsen und Cowboyhut   LIW - Mit Arsen und Cowboyhut EmptyMi Nov 04, 2020 11:41 pm

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Vor 145 Jahren berichteten mehrere Zeitungen in Wisonsin über den Strafprozess gegen Isaac Frank. Ihm wurde vorgeworfen, seine Familie mir Arsen vergiftet zu haben.
Der Fall hatte für einiges Aufsehen gesorgt. Die Presseberichte darüber könnten glatt als Vorlage für eine Folge der Krimiserie Law and Order dienen.

Isaac Frank war ein Farmer aus der Gemeinde Concord im County Jefferson, der es durch den Anbau von Hopfen zu einigem Wohlstand gebracht hatte.
Zum Zeitpunkt des Verbrechens war er 67 Jahre alt. In seinem Haushalt lebten seine Ehefrau Catherine, seine verwitwete Tochter Nancy Quiner mit ihren Söhnen Frank und John sowie ein Junge, der auf der Farm arbeitete. Außerdem gab es noch ein deutsches Dienstmädchen namens Ernestina Doese.

Das Verbrechen

Im Hause Frank war es üblich, zu den Mahlzeiten Tee zu trinken.
Am Freitag, dem 16. Juli 1875 erkrankten fast alle Familienmitglieder nach dem Mittagessen schwer. Als am Abend und am Samstag alle, die Tee getrunken hatten, erneut an den Symptomen litten, regte sich Misstrauen.
Im Schrank, wo der Tee aufbewahrt wurde, fand man um die Teedose herum Spuren einer grünen Substanz. Auf dem Schrankboden wurde ein Stück Papier entdeckt, das offensichtlich von der gleichen Substanz grün gefärbt war.
Am Sonntag sprach Tochter Nancy mit einem Nachbarn darüber. Gemeinsam wurde der Tee untersucht, und man kam zu dem Schluss, dass er mit Pariser Grün versetzt worden war.

Pariser Grün ist ein smaragdgrüner Farbstoff, der im 19. Jahrhundert wegen seiner Leuchtkraft und Haltbarkeit sehr beliebt war. Grüne Kleider und Tapeten waren der letzte Schrei - eigentlich giftgrün, denn die Farbe enthielt erhebliche Mengen Arsen.  
Ab 1868 wurde Pariser Grün in den USA in der Landwirtschaft als Insektizid eingesetzt. Im Bild oben sieht man eine Reklamekarte, auf der ein Farmer giftiges Pariser Grün über Kartoffelkäfer streut.

Im Haushalt der Franks geriet derweil das Dienstmädchen unter Verdacht, den Tee vergiftet zu haben. Sie wurde festgenommen und verhört.

Die Untersuchung vor dem Friedensrichter

Mitte August fand eine öffentliche Untersuchung vor dem Friedensrichter in Fort Atkinson statt. Dabei wurde neben Ernestina Doese auch Isaac Frank durch Zeugenaussagen belastet, was zu seiner Verhaftung führte.
Der Friedensrichter sah es als erwiesen an, dass das Gift vorsätzlich in den Tee gegeben wurde, jedoch blieb unklar, von wem. Er urteilte deshalb, dass sich beide Verdächtige einem Strafprozess vor dem Bezirksgericht zu stellen hätten. Als Kaution wurden 1.000$ für das Dienstmädchen und 2.000$ für Mr. Frank festgelegt.

Kurz nach der Untersuchung verkündete Isaac Frank per Zeitungsinserat, dass ihn seine Frau Catherine verlassen hätte und dass er weder für ihre Beherbergung noch für ihre Schulden aufkommen würde.  

Der Prozess vor dem Bezirksgericht

Der Strafprozess gegen Ernestina Doese und Isaac Frank fand Anfang November 1875 in Juneau im benachbarten Dodge County statt. Der Fall hatte in Jefferson County für so viel Wirbel gesorgt, dass hier keine faire Gerichtsverhandlung mehr gewährleistet werden konnte.

Es stellte sich heraus, dass Isaac Frank eine "unziemliche Vertrautheit" zur Frau seines Angestellten Mr. Doty pflegte und dass es deshalb Streit zwischen Mr. Frank und seiner Ehefrau gab.
Er war außerdem dabei, als sich das Dienstmädchen mit Vergiftungserscheinungen an Mrs. Doty wandte, die ihr ein Brechmittel verabreichte.
Damit war Isaac Frank der einzige in seinem Haushalt, der nicht erkrankt war.

Nach diesen Enthüllungen wurde die Klage gegen Ernestina Doese fallengelassen, und der Staatsanwalt rief sie als Zeugin der Anklage auf.
Ihre Aussage belastete Isaac Frank schwer: Er hätte am Freitag ein Päckchen Tee mitgebracht und neben die Teedose in den Schrank gelegt. Später hätte sie den Inhalt in die Teedose umgefüllt, ohne zu ahnen, dass etwas anderes als Tee enthalten war. Sie hätte außerdem den Eindruck, dass das Päckchen nach dem Kauf schon einmal geöffnet worden wäre. Das Papier und die Schnur hätten so ausgesehen.

Das Papier mit der grünen Färbung, das im Schrank gefunden worden war, konnte im Prozess nicht vorgelegt werden. Mr. Frank hatte es seinerzeit an sich genommen.

Im Prozess wurden auch Experten befragt: Ein Apotheker aus Milwaukee, der den Tee untersucht hatte, machte Angaben zur enthaltenen Giftmenge. (Denkt gerade noch jemand an CSI?)
Verschiedene Ärzte sagten zu den Symptomen einer Arsenvergiftung aus und bestätigten, dass sie mit denen übereinstimmten, die die betroffenen Familienmitglieder beschrieben hatten.

Im Zeugenstand bestritt Isaac Frank entschieden, das verdächtige Tee-Päckchen in den Schrank gelegt zu haben. Zu seiner Verteidigung führte er außerdem an, wie gut er seine verwitwete Tochter und deren Kinder behandelt und seit 1862 unterstützt hatte.

Die Geschworenen berieten fast 24 Stunden lang. Zwar war der Richter von der Schuld Isaac Franks überzeugt, den Geschworenen gelang es jedoch nicht, sich auf ein Urteil zu einigen. So endete der Prozess ohne Ergebnis.

Der zweite Prozess vor dem Bezirksgericht

Der Fall wurde im März 1876 erneut vor dem Bezirksgericht in Juneau verhandelt. Diesmal gab es einen Freispruch für Isaac Frank.

Was danach geschah

Unmittelbar nach dem Prozess erklärte Isaac Frank gegenüber der Presse, dass er plane, in den Black Hills nach Gold zu suchen.
Ich habe bisher noch nicht herausgefunden, ob er tatsächlich im Dakota-Gebiet gewesen ist. Zumindest scheint er sich irgendwann wieder mit seiner Ehefrau versöhnt zu haben, denn bei der Volkszählung 1880 lebten beide zusammen in Iowa, wo er im gleichen Jahr starb.
Vom Dienstmädchen Ernestina Doese konnte ich außer in den Zeitungsmeldungen über den Kriminalfall keine Spur finden.
Es scheint auch nie geklärt worden zu sein, wer den Tee im Hause Frank wirklich vergiftet hat... wenn es nicht doch Isaac Frank gewesen war...
Was meint Ihr?

Die LIW-Verbindung

Die meisten hier werden wissen, dass Lauras Ma in der Gemeinde Concord ihre Jugend verbracht hat, dass auch die Familie von Pa hier lebte, und dass die beiden 1860 in Concord geheiratet haben.

Vier Jahre zuvor, im Jahr 1856, wurde die Hochzeit von Carolines ältestem Bruder Joseph Carpenter Quiner mit Nancy Frank, der Tochter von Isaac Frank, gefeiert.
Die beiden bekamen zwei Söhne: Frank wurde 1859 geboren und John 1861.
Im Januar 1862 zog Joseph in den amerikanischen Bürgerkrieg. Er wurde im April desselben Jahres in der Schlacht von Shiloh verwundet und starb drei Wochen später im Armeekrankenhaus.
Die verwitwete Tochter im Hause Frank war also Carolines Schwägerin, und ihre beiden Söhne Frank und John waren Lauras Cousins.

1875 lebte die Familie Ingalls in Walnut Grove. Ich frage mich, ob sie wohl von der Sache in Wisconsin erfahren haben...
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Old Rein
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Old Rein

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BeitragThema: Re: LIW - Mit Arsen und Cowboyhut   LIW - Mit Arsen und Cowboyhut EmptyDo Nov 05, 2020 12:07 am

Heute versucht man ja, kein Gift mehr zur Bekaempfung von Schaedligen zu benutzen, weil man inzwischen weiss, dass das nicht gut fuer Boden, Pflanzen, Tiere und schliesslich den Menschen selbst ist.  Damals sah man es zwar als Gift an, aber man handhabte Pariser Gruen wohl doch nicht ganz so umsichtig, wie es haette sein muessen.  Darum koennte es meiner Meinung nach schon sein, dass da jemand im Haushalt unbedacht gehandelt hat.  Ob Ma und Pa davon gewusst hatten?  Wenn das genau auf die Zeit hinpasst, wo sie in Concord waren, dann auf jeden Fall ja.  Ich bin vor ein paar Jahren durch ganz Concord gefahren; das ist selbst heute noch ein sehr kleiner Ort.  Sehr klein!  (2100 Bewohner.  Heute) Die Geschichte haben sie auf jeden Fall mitgekriegt!

Irgendwo hier im Forum muessten auch noch ein paar Bilder von Concord zu sehen sein, die ich gemacht hatte.  Falls nicht, dann muesste ich selbst nochmal danach kramen.  Ich glaube, ich hatte ein altes, wohl nachgebautes Blockhaus und ein paar Grabsteine aufgenommen.  Viel mehr Geschichte als das konnte ich dort nicht mehr ausmachen.  Irgendwann werde ich da mal wieder hin; wir fahren ja viel 'rum. Vielleicht finde ich dann noch was "Neues".)

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Roberta

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BeitragThema: Re: LIW - Mit Arsen und Cowboyhut   LIW - Mit Arsen und Cowboyhut EmptyDo Nov 05, 2020 12:24 am

Ma, Pa und die Mädchen lebten 1875, als sich der Fall ereignete, schon in Walnut Grove.
Aber Großmutter Holbrook (Carolines Mutter) wohnte noch in Jefferson County. Sie könnte es in einem Brief erwähnt haben...
Die Quiners (Holbrooks) hielten eigentlich engen Kontakt untereinander - auch mit Nancy und ihren Söhnen.

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