EIN MÄDCHEN DIESER ERDE

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Die Geschichte, das Glück und das Unglück, die Freude und das Elend des Kindes im Film
 
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 Teufelsbraten

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Old Rein
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BeitragThema: Teufelsbraten   So Jan 23, 2011 8:41 am

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Deutschland, 2008

DVD
WideScreen


Anmerkung:  Dieses ist auf keinen Fall ein sog. "Kinderfilm".  Wegen seiner authentisch aussehenden Brutalitaetsszenen empfehle ich ihn erst ab 16 Jahren.

Empfindet man bei den Pruegelszenen ein Gefuehl der Uebelkeit und sieht doch den Film bis ganz zum Schluss, so wird man am Ende belohnt.  Denn da wird auch Hildegard belohnt.  Erst beim zweiten Anschauen gewann der Film meine Stimme, da ich nun wusste, dass der Film ein gutes Ende nehmen wuerde.  Andererseits waere er arg schwer zu verdauen.  Doch so haben alle Widerwaertigkeiten am Ende einen guten Ausgang.  Das ist wichtig, und das muss ich einfach vorweg nehmen, da der Film wirklich nur durch dieses Wissen den Wert erhaelt, der ihm gebuehrt.

Wir wollen uns nicht vor der Vorstellung eines Films scheuen, nur weil er die Wahrheit erzaehlt.  Er ist zudem ein Teil der deutschen Geschichte; und Geschichte ist mit ein Anliegen dieses Forums.  Auch ist der Film unterhaltsam und auch feinfuehlig gestaltet.  Er nutzt nicht die Situation einer Perversion aus.


"Düvelsbrode“ – Teufelsbraten – wird sie von ihrer Familie immer geschimpft, die kleine Hildegard, Tochter eines ungelernten Fabrikarbeiters und einer Putzfrau, nur weil sie mit ihrem unbeugsamen Willen, lesen und schreiben zu lernen, bei ihren kölsch sprechenden Eltern und ihrer Großmutter, einer engstirnigen Katholikin, auf gewaltige Abwehr stößt.

Hildegard wird von 3 Maedchen gespielt, da sich die Geschichte ueber 12 Jahre erstreckt.  Die drei Mädchen, die Hilla spielen, sind grandios.

"Teufelsbraten" erzählt die bewegende Geschichte der kleinen Hildegard (Hilla), die im Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära aufwächst und unter der provinziellen Einfachheit ihres proletarischen Elternhauses leidet.
Prügelstrafen und ungerechte Behandlung stehen auf der Tagesordnung.


Allein der Großvater versteht sie, von ihm lernt das Mädchen „Buchsteine“ kennen, die ihre Fantasie in Gang setzen und sie darin bestärken, dass Ausflüge in die Wörterwelt, dass Sprache und Literatur sie aus dem einengenden katholisch-rheinisch geprägten Elternhaus und letztlich aus dem Proletariermilieu herausführen.

Dies ist Hellas Zuhause, der "Garten" in dem sie spielen kann, und wo sie in einem Kaestchen die Steine ihres Grossvaters aufbewahrt.

Doch bis zur Aufnahme ins ersehnte Gymnasium ist der Weg für Hildegard steinig – sie muss mehr als jedes andere Mädchen kämpfen.

Das eigenwillige Mädchen überwindet viele Widrigkeiten und wird - trotz ihres verpönten kölschen Dialektes - Klassenbeste, darf nach persönlicher Intervention ihres Lehrers sogar eine weiterführende Schule besuchen und steht schließlich vor der alles verändernden Entscheidung, ihr Abitur zu machen oder ins Stahlwerk malochen zu gehen.

Die Schauspieler, selbst bis in die Nebenrollen, sind alle einzeln unerreicht,


doch die beste schauspielerische Leistung bringt zweifelsohne Ulrich Noethen: Er spielt die tragische Rolle des unzufriedenen Vaters, der zu cholerischen Gewaltausbrüchen neigt, die er in Selbstzerrissenheit verzweifelt bereut, doch sie nicht ändern kann, der aber trotzdem Hillas Fortkommen unterstützt. Es muss für Herrn Noethen eine tolle Herausforderung gewesen sein, diese brutale ambivalente Persönlichkeit zu spielen - und es ist ihm erschreckend real gelungen.

Der Roman „Das verborgene Wort“, die schmerzliche Emanzipationsgeschichte einer Arbeitertochter in den 50er Jahren, geschrieben von Ulla Hahn, einer der wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen, diente als Vorlage für den Fernsehzweiteiler „Teufelsbraten“.

Hilla liest der Familie aus einem Buch vor.  Doch das, was sie liest, ist kein geeignetes Lesematerial fuer ein Kind ihres Alters.

Hildegards Grossvater ist schwer erkrankt.  Sie versucht alles ihr erdenklich Moegliche, sodass er wieder genesen moege.

Im Gymnasium freundet Hildegard sich mit einem Maedchen aus gutbuergerlichem Hause an.  Eines Tages wird sie zu einer Geburtagsparty eingeladen.  Fuer Hildegard sind die Tischmanieren sehr ungewohnt.

Doch Zuhause versucht sie, diesen Tischmanieren nachzueifern.  Das stoesst bei der Familie auf groben Widerstand, denn sie solle sich bloss nicht einbilden, dass sie was "Besseres" sei.

Hildegard wird fuer ihre Praesentation der erlernten guten Tischmanieren bestraft.

Kurzer Hinweis zwischendurch

Es ist nicht leicht, ein Vater zu sein.  Doch wenn du meinst, dass es in der Filmwelt weit mehr fehlfunktionierende Familien gaebe als im wirklichen Leben, dann bedenke ein zweites Mal!  Niemand weiss, was sich hinter verschlossenen Tueren abspielen tut.  Filme ueber die Krisis in einer Familie oeffnen nur einen kleinen Spalt dieser Tueren.

Verbalen, sexuellen, emotionalen und koerperlichen Missbrauch gibt es ueberall.  Er zerstoert unser Selbstbewusstsein.

Vernachlaessigte Kinder fuehlen sich, als seien sie der letzte Dreck.  Missbrauchte Kinder kommen zu der Erkenntnis, dass, wenn sie was wert waeren, sie doch niemand missbrauchen taete.  Und Kinder, die auf Grund ihrer Leistung in den Himmel gehoben werden, lernen, dass sie nur wert haben, wenn sie vollkommen sind.

Ein Kind muss fuehlen, dass du es liebst und wertschaetzt fuer die Person, die es ist.

Also betrachte diesen Film und diesen Kommentar ueber notorisch schlechte Vaeter als einen vorsichtigen Hinweis darauf, wie gluecklich wir selbst sein duerfen.


P.S.

2017 folgte ein Nachfolgefilm mit den gleichen Schauspielern. 
Titel:  AUFBRUCH

Nina Siebertz ... Hildegard I
Charlotte Steinhauer ... Hildegard II
Anna Fischer ... Hildegard III
Margarita Broich ... Mutter
Ulrich Noethen ... Vater
Peter Franke ... Großvater
Barbara Nüsse ... Großmutter


P.S.  
Die Bilder in diesem Artikel wurden 2017 mutwillig und auf illigale Weise von Photobucket.com geloescht.


Zuletzt von Old Rein am Mo Sep 04, 2017 6:47 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Old Rein
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BeitragThema: Re: Teufelsbraten   So Jan 23, 2011 8:42 am



Hildegard hat einen Hang zur klassischen Literatur und verliebt sich in den - leider bereits verstorbenen - Friedrich Schiller.  Eines Tages lernt sie einen Italiener kennen, der ihre erste grosse Liebe sein wird.  Er ist 'ihr' Friedrich.

Hillas Freundin kann sie all ihre Geheimnisse anvertrauen.  Und hier lernt sie auch,  mit ihren Gefuehlen umzugehen.

Ein Krankenhausbesuch.  Eine Freundin hat Brustkrebs.  Der Besuch ist ein einziger Schock fuer Hildegard.

Hildegards Vater tyrannisiert erneut seine Tochter.

Hildegard war erst so froh, als der Vater ihr einmal als Lohn ein wunderschoenes rotes Kleid schenkte.  Nun faerbt sie es schwarz.

Und dann lernt Hilla einen Jungen in ihrem Alter kennen.  Nur leider ist die Mutter mit dem Umgang ihres Sohnes und Hilla nicht einverstanden.

Hilla fluechtet sich in den Alkohol.  Ihre Rettung erfaehrt sie von ihren alten Lehrern.

Das Schicksal wird sich nun zum Guten wenden.  Hildegards Gymnasiums- und ihr Grundschullehrer setzen sich fuer sie ein.

⭐Bearbeitung und Aufbereitung von TEUFELSBRATEN für dieses Forum:  Old Rein  Like a Star @ heaven

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Die Bilder in diesem Artikel wurden 2017 mutwillig und auf illigale Weise von Photobucket.com geloescht.
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